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1. Warum Betroffene ins Visier geraten
Wenn sich ein intimes Bild oder ein Fake-Profil verbreitet, nehmen viele aus Zeitdruck und Scham die erstbeste Hilfe an. Betrüger wissen das. Am häufigsten ausgenutzt werden diese Situationen:
- Nach einem Leak von Bildern oder Daten: Eine Nachricht behauptet, Ihre Inhalte „gefunden“ zu haben, und bietet an, sie verschwinden zu lassen.
- Nach einem Deepfake: Jemand meldet sich mit Screenshots und einem „Bereinigungs“-Angebot.
- Während oder nach Sextortion: Ein falscher „Experte“ oder „Ermittler“ verspricht gegen Bezahlung, Ihre Bilder vom Erpresser zurückzuholen. Die kanadische Meldestelle Cybertip.ca beschreibt dieses Muster als „Recovery Scams“: Betrüger geben vor, intime Bilder gegen Geld entfernen zu können, und die Betroffenen werden ein zweites Mal geschädigt.
- Nach einer schlechten Bewertung oder einem Artikel: Ein angeblicher Reputationsspezialist verspricht, das „in wenigen Tagen“ aus Google zu entfernen.
Eine nützliche Unterscheidung: Einen Inhalt an der Quelle (Plattform oder Hoster) entfernen zu lassen, ist etwas anderes, als ihn aus Google verschwinden zu lassen. Wer verspricht, „das ganze Internet“ zu bereinigen, verspricht etwas, das kein Anbieter kontrolliert.
2. Warnzeichen für Abzocke
Ein einzelnes Zeichen beweist nichts, mehrere zusammen sollten Sie alarmieren.
| Zeichen | Warum es ein Problem ist | Was tun |
|---|---|---|
| Unaufgeforderter Kontakt (Direktnachricht, SMS, E-Mail, Anruf), der Ihre Lage nennt | Woher weiß die Person davon? Betrüger finden Betroffene in sozialen Netzwerken, Foren oder in geleakten Daten | Nicht antworten, nicht klicken, Nachricht aufbewahren |
| Zahlung in Kryptowährung, mit Geschenkkarten oder per Auslandsüberweisung | Kaum oder gar nicht anfechtbar | Ablehnen. Ein seriöser Anbieter nimmt Kartenzahlung |
| „100 % Erfolg“ oder „Löschung in 24 Stunden“ | Niemand entscheidet an Stelle einer Plattform, eines Hosters oder einer Suchmaschine | Abbrechen: Seriöse Anbieter sprechen über Schritte, nicht über Gewissheit |
| Druck und Eile („Angebot nur heute“, „Ihre Fotos erscheinen heute Abend“) | Sie sollen nicht prüfen können | Einen Tag zum Prüfen nehmen oder mit einer Vertrauensperson sprechen |
| Keine überprüfbare Firmenidentität: keine Registernummer, keine Anschrift, kein Impressum | Sie wissen nicht, an wen Sie sich im Problemfall wenden | Abschnitt 3 |
| Kein Vertrag, keine AGB, keine Rechnung | Keine schriftliche Zusage, was getan und erstattet wird | Unterlagen vor der Zahlung verlangen |
| Verlangt Zugangsdaten, Passwörter oder Zugriff auf Ihre Konten | Gefahr eines Hacks | Niemals herausgeben |
| Angebliche Behörde („Polizei“, „Anwalt“, „Plattform-Mitarbeiter“) schreibt Sie an | Behörden akquirieren nicht per Nachricht Löschaufträge | Die Stelle selbst über ihre offizielle Website kontaktieren |
Eine weitere Falle: die Vorauszahlung, die immer weiterwächst. Nach der ersten Zahlung werden zusätzliche „Bearbeitungsgebühren“, „Steuern“ oder „Freischaltgebühren“ verlangt. Wächst der Betrag ständig, brechen Sie ab.
3. Konkrete Prüfungen vor der Zahlung
a) Die Firma identifizieren. Suchen Sie sie im amtlichen Register ihres Landes. In Deutschland deckt das Registerportal (Handelsregister) die Register aller Bundesländer ab. Das Portal weist darauf hin, dass abrufbare Informationen ein unverbindlicher Service sind und von den amtlichen Unterlagen abweichen können. Für französische Firmen gibt es die kostenlose Annuaire des entreprises mit SIREN/SIRET, für britische Companies House. Vergleichen Sie, was Sie finden, mit den Angaben der Website. Eine nicht existierende Nummer, eine erst wenige Wochen alte Firma ohne Bezug zum beworbenen Angebot oder eine abweichende Adresse sind schlechte Zeichen. Eine gültige Registernummer allein beweist aber auch keine Seriosität: Kennzeichen echter Firmen können von Betrügern übernommen werden.
b) Das Impressum lesen. Wer im Internet geschäftsmäßig Dienstleistungen anbietet, muss laut IHK Düsseldorf nach § 5 DDG grundsätzlich bestimmte Angaben leicht erkennbar bereithalten: Name und Anschrift (ein Postfach genügt nicht), Kontaktmöglichkeiten wie E-Mail oder Telefon, gegebenenfalls Registernummer und Umsatzsteuer-ID. Fehlt das Impressum, ist es leer oder offensichtlich kopiert, ist das ein Warnsignal. Bei Anbietern aus anderen Ländern gelten andere Regeln, die Logik bleibt aber gleich: Es muss erkennbar sein, wer dahintersteckt.
c) Die AGB vor der Zahlung lesen. Sie sollten klar sagen:
- was der Anbieter konkret tut (Meldungen an Plattformen, Aufforderungsschreiben, Nachverfolgung ...);
- was Sie bekommen, wenn nichts möglich ist;
- die Erstattungsbedingungen;
- den Gesamtpreis und ob sich das Abo verlängert;
- wie Sie kündigen.
d) Das Widerrufsrecht kennen. In der EU haben Verbraucher bei Verträgen im Fernabsatz (online, telefonisch) in der Regel ein Widerrufsrecht von 14 Tagen. Bei Dienstleistungen beginnt die Frist laut der EU-Plattform „Your Europe“ mit dem Vertragsschluss. Haben Sie ausdrücklich zugestimmt, dass die Leistung sofort beginnt, und dabei zur Kenntnis genommen, dass Sie das Widerrufsrecht verlieren können, kann es entfallen. Prüfen Sie dazu die Angaben des Anbieters und die Regeln Ihres Landes. Ein Anbieter, der Widerruf und Erstattung nicht erwähnt oder ausweicht, sollte Sie misstrauisch machen.
e) Per Karte zahlen. Das ist in der Regel die Zahlungsart, die sich bei Ihrer Bank am leichtesten beanstanden lässt. Haben Sie schon gezahlt und der Anbieter meldet sich nicht mehr, kontaktieren Sie rasch Ihre Bank, bewahren Sie den Zahlungsbeleg auf und erstatten Sie Meldung (Abschnitt 5). Krypto-Zahlungen oder Sofortüberweisungen sind viel schwerer zurückzuholen.
f) Unabhängige Hinweise suchen. Suchen Sie den Firmennamen zusammen mit „Betrug“ oder „Abzocke“, und seien Sie vorsichtig bei Bewertungen, die alle neu, durchweg glänzend oder wortgleich sind. Eine Bewertung ersetzt die Prüfungen a bis c nicht.
4. Was Sie kostenlos selbst tun können
Viele Grundschritte kosten nichts. Ein Dienstleister hilft vor allem, wenn Ihnen Zeit, Kraft oder Methode fehlen.
- Beweise sichern: Adresse jedes Inhalts, datierte Screenshots, erhaltene Nachrichten. Siehe unsere Anleitung Beweise sichern vor der Meldung.
- Den Inhalt der Plattform melden (soziales Netzwerk, Hoster, Website), über deren kostenlose Meldeformulare. Nach dem EU-Gesetz über digitale Dienste (DSA) müssen Online-Plattformen ein Meldeverfahren für rechtswidrige Inhalte anbieten und ihre Entscheidungen begründen (Art. 16 und 17).
- Löschung Ihrer personenbezogenen Daten verlangen nach Art. 17 DSGVO, mit unserer Vorlage für den Löschantrag.
- Die erneute Verbreitung intimer Bilder blockieren: Waren Sie auf den Bildern volljährig und haben Sie sie, erstellt StopNCII.org auf Ihrem Gerät einen digitalen Fingerabdruck (das Bild verlässt das Gerät nicht), mit dem Partnerplattformen die Veröffentlichung blockieren.
- Bei der Polizei Anzeige erstatten, wenn Geld verlangt oder bezahlt wurde (Abschnitt 5).
Schritte für den jeweiligen Fall finden Sie in unseren Ratgebern zu Leaks und Sextortion.
5. Wo Sie Betrug melden
| Stelle | Wann sie sinnvoll ist |
|---|---|
| Verbraucherzentrale, Beschwerde-Formular | Probleme mit einem Unternehmen oder einer Dienstleistung kostenlos melden; die Verbraucherzentrale betreibt außerdem ein „Phishing-Radar“ für aktuelle Betrugsversuche |
| Polizei (Anzeige vor Ort) | Anzeige bei Betrug, mit Zahlungsbelegen und Nachrichtenverläufen; Hinweise zum Online-Weg finden Sie auf der Website Ihrer Landespolizei |
| Ihre Bank | Kartenzahlung beanstanden, Zahlungsmittel sperren |
| Frankreich (bei französischem Anbieter): SignalConso | Kostenlose Meldung eines Unternehmens an die französische Verbraucherbehörde DGCCRF |
| Frankreich: Internet-signalement.gouv.fr (Pharos) | Rechtswidrige Inhalte oder Betrug im Netz melden |
Geben Sie bei der Meldung Namen oder Nutzernamen des „Anbieters“, die Adresse der Website oder des Profils, verwendete Telefonnummern und E-Mail-Adressen, Betrag und Datum, die Zahlungsart (Krypto-Adresse, Karte, Überweisung) an und bewahren Sie Screenshots und Belege auf.
6. Wenn Sie schon gezahlt haben
- Zahlen Sie nichts mehr nach, auch wenn man Ihnen droht oder einen „letzten Schritt“ verspricht.
- Sichern Sie Beweise: Chatverlauf, Website, Beleg, Transaktionsnummer.
- Kontaktieren Sie sofort Ihre Bank, wenn Sie per Karte oder Überweisung gezahlt haben.
- Melden Sie den falschen „Dienst“ (Abschnitt 5). Droht jemand, Bilder zu veröffentlichen, geben Sie nicht nach: siehe Sextortion: Was tun?.
- Ändern Sie Ihre Passwörter, wenn Sie Zugangsdaten weitergegeben oder etwas installiert haben.
- Sprechen Sie darüber. Das fällt schwer, aber diese Betrugsmaschen zielen gerade auf Menschen in Not, und Scham ist hier fehl am Platz.
7. Was das Gesetz sagt
Betrug im Netz ist eine Straftat; die genaue Strafbarkeit richtet sich nach dem Recht Ihres Landes, das wir hier nicht im Einzelnen darstellen. Auf EU-Ebene verpflichtet der DSA Plattformen, Meldungen über rechtswidrige Inhalte zu bearbeiten (Art. 16 und 17), und Art. 17 DSGVO gibt Ihnen unter bestimmten Voraussetzungen ein Recht auf Löschung Ihrer Daten. Dies ist eine allgemeine Information, keine Rechtsberatung: Für Ihren Fall wenden Sie sich an eine Anwältin oder einen Anwalt.
Unser Angebot, transparent
SOS Deepfake ist ein angemeldetes Einzelunternehmen (SIRET 840 047 997 00019); unser Impressum ist auf der Website öffentlich, Sie können uns also mit der Methode aus Abschnitt 3 prüfen. Wir bieten einen Löschservice für Inhalte zum Festpreis an, mit Erstattung, wenn keine Maßnahme möglich ist (siehe Preise). Private Daten oder Inhalte sind gerade geleakt? Für eine schnelle Löschung siehe unseren Notfall-Einsatz. Werden Sie bedroht oder erpresst, wenden Sie sich zuerst an die Polizei. Ein Ergebnis wird nicht garantiert, denn die endgültige Entscheidung liegt bei der Plattform. Unser Team und unsere KI-Technologien suchen, sichern Beweise, melden und haken nach, mit beeindruckender Effizienz. Jede Meldung wird vor dem Versand geprüft. Wir sprechen Betroffene nicht unaufgefordert an. Die Tarife stehen auf der Seite Preise. Für eine Anzeige oder ein Gerichtsverfahren wenden Sie sich an die Polizei oder eine Anwältin bzw. einen Anwalt.
Wenn Sie unter 18 sind oder in Gefahr, rufen Sie die 3018 (Frankreich, Cybermobbing) oder die 112 an.
Geprüft von Léo, Gründer von SOS Deepfake.
Preise ansehenHäufige Fragen
Ist ein kostenpflichtiger Löschservice immer Abzocke?
Jemand hat mich angeschrieben und bietet an, meine Fotos zu löschen. Ist das normal?
Kann man Inhalte wirklich aus dem Internet löschen?
Ich habe mit Kryptowährung oder Geschenkkarten bezahlt. Bekomme ich mein Geld zurück?
Kann ich einen online abgeschlossenen Dienst widerrufen?
Quellen
- Registerportal der Länder (Handelsregister)
- Companies House, Find and update company information
- Annuaire des entreprises (Frankreich)
- IHK Düsseldorf, Impressum-Pflichtangaben nach § 5 DDG
- Verbraucherzentrale, Beschwerde-Formular und Phishing-Radar
- Your Europe, Widerrufsrecht
- SignalConso (DGCCRF, Frankreich)
- Pharos, Internet-signalement.gouv.fr
- Verordnung (EU) 2022/2065 (DSA), Art. 16 und 17
- Verordnung (EU) 2016/679 (DSGVO), Art. 17
- Cybertip.ca, „Recovery scams“
- StopNCII.org, FAQ