Auf dieser Seite
1. Welcher Fall liegt vor?
| Was passiert | Priorität | Wohin |
|---|---|---|
| Ein Fake-Account oder Fake-Profil gibt sich als Sie aus | Löschen lassen, Kontakte warnen | Abschnitt 3 und unser Ratgeber Fake-Profil |
| Ihr Gesicht oder Ihre Stimme wirbt in Fake-Werbung | Ihr Publikum warnen, Anzeigen entfernen lassen | Abschnitt 3 und unser Ratgeber Fake-Werbung |
| Ein Konto von Ihnen wurde gehackt, jemand postet als Sie | Konto zurückholen | Abschnitt 4 |
| Mit Ihrem Ausweis, Ihren Personalien oder Bankdaten wurden Konten, Kredite oder Verträge eröffnet | Bank, Polizei | Abschnitt 5 (Deutschland, Österreich, Schweiz) |
Die Fälle können sich überschneiden: Wer Ihr E-Mail-Postfach gehackt hat, findet dort vielleicht auch einen Scan Ihres Ausweises. Kümmern Sie sich zuerst um Geld und Kontozugänge, dann um Inhalte.
2. Erste Schritte in jedem Fall
- Sichern Sie Beweise, bevor Sie etwas melden: genaue URL jedes Accounts und jeder Seite, datierte Screenshots, erhaltene Nachrichten, Transaktionsnummern. Löschen Sie nichts.
- Warnen Sie Kontakte und Publikum über Ihre echten Kanäle: „In meinem Namen ist ein Fake-Account / sind gefälschte Nachrichten unterwegs. Antworten Sie nicht und schicken Sie niemals Geld oder Codes.“
- Sichern Sie Ihre Konten: neue Passwörter (zuerst für Ihre E-Mail), Zwei-Faktor-Authentifizierung, angemeldete Geräte prüfen.
- Treten Sie nicht in Kontakt mit der Person, die sich als Sie ausgibt.
- Führen Sie eine Chronik: wann Sie es entdeckt haben, was Sie wem gemeldet haben, welche Antworten kamen. Bank, Polizei und jeder Widerspruch verlangen danach.
3. Fake-Accounts, Fake-Profile und Fake-Werbung
- Melden Sie den Account auf der Plattform mit dem Grund „gibt sich als mich aus“, nicht mit einem allgemeinen Grund. Anleitungen: Instagram, Facebook, TikTok, LinkedIn.
- Halten Sie einen Ausweis bereit: Die meisten Plattformen verlangen ihn als Nachweis, dass Sie die betroffene Person sind. Laden Sie ihn nur über das offizielle Formular hoch, nie an einen Account, der Sie anschreibt.
- Melden Sie jeden schädlichen Beitrag (gestohlene Fotos, manipulierte Inhalte), nicht nur den Account.
- Bei einer Anzeige melden Sie direkt die Anzeige und prüfen dann die weiteren Anzeigen desselben Werbetreibenden. Siehe unseren Ratgeber Fake-Werbung.
- Wenn die Plattform ablehnt oder schweigt: In der EU, also auch in Deutschland und Österreich, müssen Online-Plattformen (außer Klein- und Kleinstunternehmen) nach dem Digital Services Act ein internes Beschwerdeverfahren anbieten. In der Schweiz gilt der DSA nicht: Verlangen Sie dort eine Überprüfung und schicken Sie eine schriftliche Meldung. Den Text liefert unsere Vorlage für den Löschantrag.
- Wenn der Account einen Deepfake von Ihnen verbreitet, folgen Sie auch unserem Deepfake-Ratgeber.
4. Gehacktes Konto, über das jemand als Sie auftritt
- Nutzen Sie den offiziellen Wiederherstellungsweg der Plattform („Passwort vergessen“ oder „Mein Konto wurde gehackt“), nur in der offiziellen App oder auf der offiziellen Website.
- Sichern Sie zuerst Ihre E-Mail: Sie ist der Schlüssel zu allen anderen Konten.
- Sagen Sie Ihren Kontakten, dass die Nachrichten während der Übernahme nicht von Ihnen stammen.
- Erstatten Sie Anzeige, vor allem wenn Geld oder Betrug im Spiel ist: in Deutschland über die Onlinewache Ihres Bundeslandes, in Österreich bei jeder Polizeidienststelle, in der Schweiz über cybercrimepolice.ch oder Ihre Kantonspolizei.
5. Betrug mit Ihrer Identität oder Ihren Finanzdaten
Das ist kein Fall für eine Inhaltslöschung, und SOS Deepfake bearbeitet keinen Finanzbetrug. Das sind die offiziellen Wege.
Deutschland
- Rufen Sie sofort Ihre Bank und Ihren Kartenherausgeber an und lassen Sie betroffene Karten und Konten sperren.
- Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei oder online über die Onlinewache Ihres Bundeslandes. Die Anzeige brauchen Sie gegenüber Bank, Händlern und Inkassobüros.
- Fordern Sie bei Auskunfteien eine kostenlose Datenkopie an (Art. 15 DSGVO) und prüfen Sie, ob Verträge oder Kredite auf Ihren Namen laufen, die Sie nicht kennen.
- Widersprechen Sie schriftlich jeder Rechnung oder Mahnung für einen Vertrag, den Sie nie geschlossen haben, und legen Sie die Anzeige bei.
- Lassen Sie gestohlene oder missbrauchte Ausweise bei Ihrem Bürgeramt sperren bzw. ersetzen.
Österreich
- Kontaktieren Sie Ihre Bank und lassen Sie Karten und Konten sperren.
- Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei, im Notfall unter 133.
- Fordern Sie Auskunft bei Auskunfteien und Unternehmen an (Art. 15 DSGVO). Bei Problemen hilft die Datenschutzbehörde.
Schweiz Wenden Sie sich zuerst an Ihre Bank und melden Sie den Fall dann über cybercrimepolice.ch oder direkt bei Ihrer Kantonspolizei, im Notfall unter 117.
6. Was das Gesetz sagt
Die Regeln der Plattformen verbieten es überall, sich als jemand anderes auszugeben. Deshalb wirkt eine gut gemachte Meldung meist ohne Gericht. Die Rechtslage hängt vom Land ab. In Deutschland gibt es keinen eigenen Straftatbestand „Identitätsdiebstahl“: Je nach Fall greifen Betrug (§ 263 StGB), Fälschung beweiserheblicher Daten (§ 269 StGB), Nachstellung (§ 238 StGB, erfasst auch Inhalte, die unter falscher Identität veröffentlicht werden) oder das Recht am eigenen Bild (§§ 22, 33 KUG). In der Schweiz ist Identitätsmissbrauch seit dem 1. September 2023 strafbar (Art. 179decies StGB, bis zu einem Jahr, auf Antrag). In Österreich kommt es ebenfalls auf die Tat an, etwa Betrug oder fortdauernde Belästigung im Netz (§ 107c StGB). Diese Seite ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung: Für Ihren Fall sprechen Sie mit einer Anwältin oder einem Anwalt.
Fake-Accounts löschen lassen
Läuft der Identitätsdiebstahl über Fake-Accounts, Fake-Profile oder Anzeigen mit Ihrem Namen, Gesicht oder Ihrer Stimme, übernimmt das unser Service Fake-Profil löschen lassen: Meldungen mit dem richtigen Grund und den Nachweisen, die Plattformen verlangen, Nachfassen bis zur Löschung und jede Woche eine Suche nach neuen Accounts. Bei finanziellem Identitätsdiebstahl bleiben Ihre Bank und die oben genannten offiziellen Stellen die richtigen Ansprechpartner.
Preise ansehenHäufige Fragen
Ist Identitätsdiebstahl im Internet strafbar?
Jemand hat mit meinen Daten eine Kreditkarte beantragt. Wo fange ich an?
Brauche ich eine Anzeige, um einen Fake-Account löschen zu lassen?
Kann ich Identitätsdiebstahl online anzeigen?
Mein gehacktes Konto verschickt Betrugsnachrichten. Ist das Identitätsdiebstahl?
Mein Ausweis-Scan war in einem Datenleck. Was soll ich tun?
Quellen
- BMJV, hilfe-info.de: Onlinewachen der Länder
- NEDIK, cybercrimepolice.ch: Ereignis melden
- Österreichische Datenschutzbehörde, Beschwerde
- Verordnung (EU) 2022/2065 (Digital Services Act), Art. 16 und 20
- Verordnung (EU) 2016/679 (DSGVO), Art. 15
- § 238 StGB (Nachstellung)
- § 269 StGB (Fälschung beweiserheblicher Daten)
- § 33 KUG
- § 107c StGB (Österreich)
- Art. 179decies StGB (Schweiz), Identitätsmissbrauch